Mal wieder in eine Bar gehen? Ist möglich!

Lange war es ruhig in diesem Blog: ich habe den Sommer so analog genossen wie nur möglich, denn ich hatte und habe die Schnauze ein wenig voll von digital…. Doch jetzt ist es abends schon dunkel, bevor ich überhaupt Feierabend mache, und die Möglichkeiten, außer Haus noch etwas zu erleben und Menschen zu sehen sind sehr sehr eingeschränkt. Und so fing der Herbst mit einem emotionalen Durchhänger an. Bis mir etwas begnete, was mich auf DIE suuuuuuuuuper Idee brachte…..

….Es war einmal ein Berliner startup namens yotribe, offensichtlich mit guten Beziehungen nach Darmstadt, wo ich es an der TU unter dem neuen und passenden Namen Wonder kennenlernte….

Wonder entwickelt digitale Räume. Räume, in denen sich Menschen frei bewegen, selbstbestimmt agieren und miteinander kommunizieren können, so wie „vor Corona“ auf den Plätzen der Innenstädte oder Szeneviertel, auf dem Weg zur Kantine, auf einer Party, oder eben in der Lieblingsbar an der Ecke.

Diese wundervolle Art der spontanen und oft unerwarteten Begegnung ist nämlich etwas ganz anderes als das, was wir Büromenschen seit Monaten in endlosen Teams- oder Zoom-Konferenzen ertragen müssen. Klar, auch die sind besser als nix, aber es fehlt so viel: mal kurz mit jemandem unter vier Augen scherzen, neue Leute kennenlernen, jenseits der offiziellen Tagesordnung auch noch das eine oder andere off-topic Gespräch führen, frei zwischen verschiedenen Gesprächspartner*innen wechseln, selbst(!)organisiert themenspezifische Kleingruppen bilden… Wonder ermöglicht sowas auch im Digitalen. Und als ich das gesehen habe, erinnerte ich mich an einen alten Traum und dachte….

ICH MACH NE BAR!!!

Auf Montagsbar.org könnt ihr lesen, wie das im Digitalen geht. Fakt ist: Corona hin oder her, wir müssen unser Feierabendbierchen nicht mehr alleine trinken! (Kaffee, Wasser oder Tee auch nicht! Bringt einfach mit, was ihr grad mögt!)

Schon die ersten Male haben gezeigt, dass das Konzept aufgeht: in meiner Bar haben sich Menschen wiedergetroffen, die weit weg voneinander leben und seit Monaten keine Gelegenheit hatten, sich zu sehen, Freundeskreise haben sich gemischt, neue kamen dazu, es gibt eine offene Bühne und in kleinem Kreis wurde auch zusammen getanzt. Viele empfinden die Bar, die jetzt regelmäßig auf hat (sonst wäre es ja keine Bar) genau wie ich als Rettung.

Erkennen, was die Rettung ist! Wenn Corona (oder auch andere widrige Umstände) physische Begegnungen erschweren, dann hilft nur Phantasie! Die digitale Bar ist auf jeden Fall ein Weg raus aus Isolation und Vereinsamung, raus aus der virtuellen Bubble und zurück in den lebendigen Austausch mit echten Menschen! Kennt ihr noch andere Wege? Dann teilt eure Ideen über die Kommentarfunktion!

Und schreibt mir an wirtin at montagsbar.org, wenn ihr mitmachen oder euch vernetzen wollt. (Wäre doch cool, wenn ne ganze Bewegung draus würde! Wir könnten auch Konzertreisen für Kleinkünstler*innen organisieren, die dann von Bar zu Bar tingeln, und und und…. so viele Möglichkeiten! Soll der blöde Corona-Winter doch kommen!)

Herzliche Grüße hinaus in die Welt! Bleibt gesund und munter und pflegt die Phantasie!

Digitalisierung in der universitären Lehre 1

Natürlich ist jedes Seminar anders und dies ist vielleicht gerade erst der Anfang. Aber die pandemiebedingte Umstellung auf digitale Formate lässt erahnen, dass eine umfassende Digitalisierung der universitären Lehre sehr grundsätzliche Veränderungen mit sich bringen kann. Welche, möchte ich in einer Reihe von Blogbeiträgen gerne mit euch diskutieren. Ich bitte also schon jetzt um eure Kritik: Widersprüche sind genauso willkommen wie Ergänzungen und eure ganz individuellen Eindrücke!

Heute möchte ich 6 Punkte vorstellen, die ich bereits aus jetziger Sicht für zentral halte. Jeder dieser Punkte hat zum Teil positive, zum Teil negative, aber auf jeden Fall gravierende Auswirkungen. Die Reihenfolge stellt keine Gewichtung dar.

1. Punkt: Inhaltliche Verschiebungen

Online-Unterricht führt zusammen mit der Tatsache, dass Bibliotheken pandemiebedingt lange geschlossen waren und noch immer nur eingeschränkt zugänglich sind, zu einer Verschiebung der Textauswahl. Material, das nicht digitalisiert vorliegt, also ältere Bücher, Fachlexika, Print-Zeitschriften und ähnliches, geraten aus dem Fokus. Stattdessen werden Seminare an online verfügbaren Inhalten orientiert, typischer Weise an Aufsätzen, die vorwiegend über den Marktführer Elsevier abzurufen sind. Für derartiges Material gelten unter Umständen aber andere inhaltliche und Ranking-Kriterien als für den klassischen Bibliotheksbestand. In diesem Zusammenhang stellen sich für mich verschiedene Fragen: Geht hierdurch auf lange Sicht Wissen verloren? Gehen mit dieser formalen Veränderung womöglich inhaltliche Veränderungen einher? Ändern sich Zugangsmöglichkeiten? Wem gehört das Wissen, wenn nicht mehr staatlichen Bibliotheken? Inwiefern erleben wir hier eine subkutane Privatisierung von Wissen?

2. Punkt: Urheberrechte und Inhaltsbesitz

Neben der bereits unter 1 erwähnten Problematik fällt auf, dass Digitalisierung die Frage nach dem Schutz geistigen Eigentums neu stellt. Nicht nur das von den Lehrenden geteilte Unterrichtsmaterial, auch die Arbeiten der Studierenden, können potentiell samt und sonders von anderen kopiert, verwendet, entstellt oder weiterverbreitet werden. Nun gibt es zwar Software, die das verhindert, diese wird jedoch nur teilweise eingesetzt. Es wird also in einer digitalisierten Universität dringender denn je, sich die Frage zu stellen, inwiefern geistiges Eigentum ein schützenswertes Gut darstellt, und, falls es das sein soll, wie es effektiv geschützt werden kann und wem wir als Gesellschaft diesen Schutz anvertrauen (privaten Unternehmen, dem Staat, oder…?).

3. Punkt: Verhinderung von Vorurteilen auf Grund physischer Merkmale

Solange Online-Lehre bedeutet, dass Studierende und Lehrende einander nicht von Angesicht zu Angesicht begegnen, könnte Vorurteilen auf Grund äußerlicher Merkmale (Kleidung, Alter, Hautfarbe, Tattoos, etc) zunächst einmal der Boden entzogen werden. Damit könnten stärker als im Präsenzunterricht tatsächlich die selben Kriterien für alle angewendet werden, alle Studierenden sich auf Augenhöhe begegnen. Hat sich in Deutschland zwar noch nicht durchgesetzt, aber eine gute Idee in eine ähnliche Richtung sind ja Bewerbungsunterlagen ohne Fotos. Die Frage hier ist, ob dies bejaht und gewollt ist, oder ob dieser Effekt über kurz oder lang durch mehr Video-Präsenz-Veranstaltungen wieder verloren gehen wird.

4. Punkt: Einschränkung von Beteiligungsmöglichkeiten

Gleichzeitig führt aber die Tatsache, dass letztlich alle alleine vor ihrem Bildschirm sitzen und sich höchsten virtuell begegnen dazu, dass informelle, zufällige und nicht überwachbare Begegnungen fast gar nicht mehr stattfinden. Eine mögliche Konsequenz davon ist, dass sich Widerstand gegen potentielle Ungerechtigkeiten, problematische oder fehlende Inhalte, schlechte Bedingungen und ähnliches kaum mehr organisieren lässt (oder ganz neue Wege finden muss). Teile und herrsche in einer ganz neuen Ausprägung.

5. Punkt: Erweiterte Kontrollmöglichkeiten

Was auch immer im digitalen Raum stattfindet, kann 1) potentiell für immer gespeichert und 2) immer digital analysiert und ausgewertet werden. Dinge „versenden“ sich nicht, und das kann dazu führen, dass Einzelne sich besser überlegen, was wo und wie sie etwas äußern. Vielleicht wird dadurch die Hürde höher, Fragen zu stellen oder abweichende Meinungen kundzutun? Werden durch diese Tatsache innere Zensurmechanismen verstärkt? Entsteht dadurch unter Umständen auch ein grundsätzlich höherer Arbeitsaufwand? Leidet die Lebendigkeit akademischer Diskussionen darunter?

6. Punkt: Fluch und Segen der Asynchronizität

Die Möglichkeit, das Arbeitspensum stärker an den eigenen zeitlichen Verfügbarkeiten ausrichten zu können, wenn Lehrveranstaltungen keine Präsenzveranstaltungen sind, schafft natürlich verbesserte Bedingungen für Menschen, die Studium oder Lehre (besonders in Zeiten von Covid-19) zum Beispiel mit Kinderbetreuung, der Pflege von Angehörigen oder einer Berufstätigkeit vereinbaren müssen. Hieraus könnten bessere Zugangsmöglichkeiten für bislang benachteiligte soziale Gruppen zu universitärer Bildung entstehen. Doch wie können asynchrone Formen lebendigen Austauschs aussehen? Was braucht es, um auch unter diesen Bedingungen die Begegnung mit anderen zu fördern?

Ausblick

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind, auch im Bereich universitärer Lehre, immens. Leider bieten sie auch ein Einfallstor für feindliche Übernahmen durch ökonomische Interessen und für Einschränkungen der geistigen Freiheit. Sich über solche Gefahren im Detail bewusst zu werden, ist ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung von Konzepten, die wissenschaftlicher Arbeit und demokratischen Bewegungen dienen, und nicht ihren Feinden.

Ich würde hierfür gerne Kriterien sammeln und hoffe daher auf eure Rückmeldungen. Wie habt ihr, sofern ihr betroffen seid, die Digitalisierung der Lehre erlebt? Wo seht ihr Gefahren und Risiken, wo Verbesserungen und Potentiale?

Im Hinblick auf den nächsten Beitrag zu diesem Thema würde mich auch interessieren: mit welchen Formaten der digitalen Lehre (und das kann gerne auch home schooling außerhalb der Uni betreffen) habt ihr gute, und mit welchen eher schlechte Erfahrungen gemacht? Was fehlt? Wie soll es eurer Meinung nach weitergehen mit der Digitalisierung im Bildungswesen?

Wir dachten, Hitler baut nur Autobahnen…

Leute! Immer wieder bekomme ich Videos weitergeleitet, die Stimmung machen gegen die angeblich irrwitzigen Anti-Corona-Maßnahmen. Leute, schaut doch mal, von wem diese Videos kommen! Fragt euch doch auch mal, wer oder was DA dahinter steckt.

Ich fürchte, dass es genau diese Stimmungsmache ist, die uns noch in die Vollkatastrophe treiben kann. Zum Beispiel in die Arme eines Egomaniacs oder einer rechtsradikalen Bewegung, für die das Recht auf Meinungsfreiheit wirklich genau da aufhört, wo es nicht die eigene ist.

Überlegt doch mal! Gibt es hier in Deutschland aktuell wirklich einen Maulkorb? Haben wir es nicht verhältnismäßig gut, die wir nicht durch einen Vollidioten regiert werden, der mit dem Leben von hunderttausenden spielt, und dem die Leute, die in den Krankenhäusern arbeiten scheißegal sind? Wo die Maßnahmen einigermaßen nachvollziehbar begründet werden, wo es (bislang) geschafft wurde, Verhältnisse wie in Italien oder New York zu vermeiden und wo versucht wird, kurzfristig zu helfen, wo Not entsteht? (Zumindest vor der eigenen Haustür – und diese Einschränkung ist traurig genug!).

Überlegt doch mal! Haben unsere Regierungsparteien in den letzten Jahrzehnten jemals den Eindruck erweckt, der deutschen Wirtschaft mutwillig schaden zu wollen? Gibt es irgendeinen nicht hanebüchenen Grund, warum sie das jetzt tun sollten, wenn nicht, weil sie über die Brisanz dieser nie dagewesenen globalen Situation ausnahmsweise einmal einig sind? Und womöglich ausgerechnet haben, dass ein zu spätes Eingreifen noch viel höhere soziale und ökonomische Kosten haben könnte?

Wo ist der Vorschlag, wie es besser gehen könnte? Konsens-Entscheidung von 80 Millionen? Oder Diktat derer, die statt Angst vor dem Virus und seinen schwer abzusehenden gesamtgesellschaftlichen Folgen eine noch viel größere Angst vor dem vermeintlich vermeidbaren eigenen finanziellen Abstieg haben? Diktat derer, die meinen, nichts Schlimmeres fürchten zu müssen als weniger konsumieren zu können und eine Weile auf andere Rücksicht zu nehmen? Die sich für eine Mehrheit halten, weil ihre Videos viele Klicks erreichen?

Bei der Stimmungsmache gegen alles arbeiten leider Rechte und manche, die sich selber als Linke bezeichnen, zusammen. Wenn aber am Ende die Rechten davon profitieren, die auf so eine Gelegenheit nur gewartet haben, dann werden wir sehen, dass wir die mit ein paar Klicks, Online-Petitionen und weitergeleiteten Videos nicht so schnell wieder los werden!

Deshalb bitte, recherchiert ein wenig, woher die Videos kommen, bevor ihr sie weiterleitet, nehmt euch die Zeit und lest auch das Kleingedruckte, und überlegt, ob ihr diese Quellen wirklich stark machen wollt!

Wisst ihr auch von manipulativen Videos aus dubiosen/rechten Quellen? Dann teilt hier eure Erfahrungen und Infos dazu!

Der Unterschied zwischen einer Meinung und einem besseren Plan

Wenn sogar der Ethikrat eine Debatte über die Beendigung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie fordert, sollten wir vielleicht vorab klären, über was geredet werden soll. Ich sage, es kann hier nicht um einen Austausch von Meinungen und Befindlichkeiten gehen. Das einzige, worüber eine Debatte lohnt, wären alternative, begründete und durchdachte Krisenstrategien. Solche sehe ich allerdings bis jetzt nicht – leider.

Die Medien transportieren in den letzten Tagen zunehmend mehr Äußerungen des Unmuts über eine Fortsetzung der Kontaktverbote für Gruppen von mehr als 2 Personen. Wie repräsentativ das ist, ist schwer zu sagen. Ja, ich kenne Menschen, die die Situation sehr belastet. Aber auch von denen sind einige überzeugt, dass strenge Maßnahmen notwendig sind. Vor allem, wenn sie aus Corona-Hotspots kommen und aus eigener Anschauung wissen, dass es bei weitem nicht nur die Ältesten sind, die einen schweren Verlauf haben können. Auf der anderen Seite gibt es sogar unter denen, denen es eigentlich auch jetzt ganz gut geht, Stimmen, die ihre Normalität von vor Corona wieder haben wollen.

Plötzlich tauchen genau da auch die AfD und die FDP wieder aus der Versenkung auf. Passend platziert direkt nach düsteren Rezessionsprognosen dürfen sie in der Tagesschau erklären, dass jetzt langsam im Sinne einer Rettung der Wirtschaft aber mal Schluss sein müsse mit dem „totalen Shutdown“ (eine etwas exaltierte Wortwahl, wie ich finde, für das was wir gerade erleben, wo vieles immer noch funktioniert).

Aber Leute: wo sind eure Gegenvorschläge? Könnt ihr darlegen, wie sich, bei allem, was wir über die Ausbreitung des Virus, unser Gesundheitssystem- und unser Wirtschaftssystem wissen, die Zukunft entwickeln könnte, wenn wir jetzt einfach mal zurück auf „Normal“ gehen? Ich habe noch kein entsprechendes Szenario gesehen. (Weidel ist ja der Auffassung, die deutsche Wirtschaft müsse dann aus Geldern saniert werden, die durch Fallenlassen aller Klimaschutzprogramme und von sozialer Gleichstellungspolitik frei werden könnten. Dazwischen soll wahrscheinlich das Militär dafür sorgen, dass Verteilungskämpfe verschleiert und der Schein der „Normalität“ für ein paar wenige hier in Deutschland aufrecht erhalten werden.).

Diejenigen, die Entscheidungen über die Maßnahmen bis hierher getroffen haben, haben allerdings ihre Daten und die von ihnen zu Grunde gelegten möglichen Szenarien öffentlich nachvollziehbar angegeben. Eine gute Zusammenfassung findet sich zum Beispiel hier (maiLab). Und der Plan wäre, die Folgen gemeinsam zu schultern. Ich trete gerne etwas kürzer, wenn dafür am Ende alle halbwegs gut durchkommen. Ehrensache. (Vielleicht auch eine Gelegenheit, mal wieder über das Thema Einheitslohn nachzudenken).

Es gibt ein interessantes Gedankenexperiment von John Rawls, der meint, gerechte Entscheidungen kommen nur dann heraus, wenn die, die sie treffen, nicht wissen, auf welcher Seite sie am Ende stehen werden. Übertragen auf die aktuelle Situation: wir sollten Entscheidungen treffen, die wir auch dann noch richtig fänden, wenn wir z.b. selbst ein Beatmungsgerät bräuchten um zu überleben, selbst im Schichtdienst im Krankenhaus angestellt wären, selbst arbeitslos würden, selbst einen Betrieb zu leiten hätten, selbst mit 2 Kindern in einer engen Mietwohnung leben müssten, selbst in einem Flüchtlingslager auf einer griechischen Insel eingepfercht wären, etc.

Ich frage mich das oft, wenn Leute einfach nicht weiter als bis zur eigenen Schuhspitze denken, wie das wäre, wenn sie plötzlich auf der anderen Seite ihrer kleinen Gedanken aufwachen würden. Eigentlich hoffe ich, dass sie das tun, bevor sie in der echten Welt noch mehr Schaden anrichten als sie eh schon erleidet.

Habt ihr Anmerkungen oder einen besseren Plan? Dann hinterlasst doch einen Kommentar!

Als ein Virus die Welt aus den Angeln hob – „1918 – Die Welt im Fieber“ von Laura Spinney – reblogged!

Auf dem lesenswerten Blog schiefgelesen erschien soeben DER Buchtipp zur Zeit: Eine Studie über die Spanische Grippe, die 1918-20 zig Millionen Menschen tötete, und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen.

Besonders interessant finde ich dabei, dass die Autorin herausstreicht, dass diese Auswirkungen in verschiedenen Ländern und Kulturen unterschiedlich waren, dass sie vornehmlich auf Erzählungen von Frauen zurückgreift und dass sie in diesem schon 2017 geschriebenen Buch auch davon berichtet, was Forscher*innen für künftige Pandemien für Schlüsse gezogen haben. Zu einem Zeitpunkt, als Corona noch nicht in der Welt war.

Für mehr Infos lest einfach den Original-Artikel auf schiefgelesen:

Als sich im Februar langsam abzeichnete, dass COVID-19 zu einer weltweiten Pandemie werden würde, äußerte Bill Gates, dass dieser Virus das Potenzial…

Als ein Virus die Welt aus den Angeln hob – „1918 – Die Welt im Fieber“ von Laura Spinney

Corona – wem nützt es?

Der folgende Text entstand als Antwort auf die Mail einer Freundin, die sich fragt, warum jetzt zu so „drakonischen“ Maßnahmen gegriffen wird, wo doch 25.000 Grippetote 2017/18 der Öffentlichkeit kaum eine Meldung wert waren.

Nach allen Infos, die mir vorliegen, scheint mir der Hauptunterschied zu damals darin zu liegen, dass Corona viel ansteckender ist und dass es keine Impfung dagegen gibt. Beides zusammen bedeutet, dass die Fälle innerhalb kurzer Zeit so viele werden können, dass das Gesundheitssystem komplett zusammenbricht. Dann wäre eine medizinische Versorgung für jede und jeden einzelnen von uns nicht mehr gesichert.
Die zwei Online-Artikel, die ich schon in meinem letzten Blogbeitrag verlinkt habe, illustrieren, was ich meine.

Eine gute Darstellung möglicher Epidemie-Verläufe, die sehr deutlich macht, warum es nötig ist, dass jetzt sofort ALLE ihre körperlichen Sozialkontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren, findet sich hier: https://perspective-daily.de/article/1181/7UikVAkg
Die Washington Post hat derweil auch eine sehr anschauliche Simulation online gestellt, die dasselbe vielleicht noch eindrücklicher vermittelt (und kürzer und verständlicher).

Kennst du Menschen, die im Krankenhaus arbeiten? Frag die mal, was sie denken. Die Situation kann dort sehr schnell sehr prekär werden, wenn nicht alle und jetzt sofort mithelfen, die Explosion der Infektionsfälle zu vermeiden. Wenn alle auf einmal krank werden, ist eine adäquate medizinische Versorgung für niemanden mehr sicher – auch nicht für werdende Mütter, für Kinder mit Blinddarmdurchbruch oder für Jugendliche Opfer von Verkehrsunfällen. Für niemanden.

Innerer Widerstand gegen Bevormundung, Misstrauen gegenüber der Regierung, all das ist mir durchaus vertraut, darf aber nicht dazu führen, auch vernünftige Maßnahmen abzulehnen.

Und ich habe bislang kein Argument gehört, dass die Fakten auf der ganzen Welt anerkennt und gleichzeitig darlegen kann, warum diese Maßnahmen falsch sind.

“Drakonisch“, wie du sagst, müssen diese offensichtlich sein, weil so viele Menschen inzwischen glauben, Fakten ignorieren zu dürfen (solange es sie nicht selbst betrifft) und Egoismus mit dem Recht auf Selbstbestimmung verwechseln.

Die gegenwärtige Situation macht vielleicht deutlich, was dieses Recht auf Selbstbestimmung eben nicht sein darf: die schrankenlose Verwirklichung der eigenen Bedürfnisse ohne Rücksicht auf die anderen. Im Gegenteil: Gegenseitige Rücksichtnahme und Selbstbegrenzung zum Schutz anderer gehören bedingungslos zum Recht auf Selbstbestimmung in Gemeinschaft. Anders ist dieses Recht doch gar nicht sinnvoll denkbar. Oder?

Du fragst, wer von dieser Entwicklung profitieren wird. Ich sage: das ist noch nicht ausgemacht! 

Natürlich werden die üblichen Verdächtigen (Pharmaindustrie zb) versuchen, Profit draus zu schlagen. Natürlich stärken Notstandsgesetze erstmal den Repressionsapparat. Usw. Aber.

Genau solche Auseinandersetzungen, wie wir sie gerade führen, können auch eine radikalere Form von Demokratie beleben und in die Welt bringen. Wir müssen reden, und wir müssen über Fakten reden und Argumente austauschen. Populismus muss hier versagen, Elitedenken entlarvt sich selbst, und wer sich wirklich um wen sorgt, zeigt sich im ganz konkreten Verhalten.

Wenn wir es schaffen, in dieser Situation auch in ganz neuen Konstellationen (auch über unterschiedliche Hautfarben und Sprachen hinweg) neue Formen des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu begründen, dann haben wir ein großes Pfund in der Hand, mit dem wir denen, die sich am Ende einfach nur bereichern oder ihrer eigenen Macht versichern wollen, entgegentreten können. Letztlich ist die Frage, wer profitiert, immer eine Frage der Macht, und nie endgültig entschieden.

Ich freue mich auf eure Kommentare!

An der Grenze zum Risikogebiet

Hier im Süden Deutschlands, an der Grenze zum Risikogebiet Grand-Est in Frankreich, sind Fieber, Schnupfen, Husten und Halsschmerzen plötzlich etwas ganz anderes als noch vor 1 oder 2 Wochen. Du stellst dir die Frage: kann das Corona sein? Du bleibst von der Arbeit fern und die sind froh drüber, erstmal auch ohne Attest. Das bekommst du telefonisch bei der Ärztin deines Vertrauens, und wenn du fragst, ob das Corona sein kann, wirst du gefragt, ob du Kontakt mit einer/einem Infizierten hattest oder in einem Risikogebiet warst. Da das bei mir nicht der Fall war, und ich nur erhöhte Temperatur und Druck auf der Brust hatte, hieß es: kein Corona, zuhause bleiben und selbst auskurieren. Ich habe mir gemeinsam mit meiner Liebsten (und das ist natürlich unendlich viel wert) erstmal Kontaktsperre verordnet. Und mich darauf besonnen, was ich in meiner Heilkräuterausbildung bei der großartigen Pflanzenkennerin und Pharmazeutin Katharina Vogelsang gelernt habe….

Absolut wichtig: Kontaktsperre

Egal ob krank oder nicht krank – jetzt geht es darum, zuhause und für sich zu bleiben! Eine gute Darstellung möglicher Epidemie-Verläufe, die sehr deutlich macht, warum es nötig ist, dass jetzt sofort ALLE ihre körperlichen Sozialkontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren, findet sich hier: https://perspective-daily.de/article/1181/7UikVAkg

Die Washington Post hat derweil auch eine sehr anschauliche Simulation online gestellt, die dasselbe vielleicht noch eindrücklicher vermittelt (und kürzer und verständlicher).

Spätestens nach dem Lesen dieser Informationen ist es für mich keine Frage mehr, dass ich wirklich alles dazu beitragen möchte, dem Virus möglichst wenig Gelegenheit zu geben, sich weiterzuverbreiten. Und da ich selbst mir nicht mal ganz sicher sein kann, dass ich ihn nicht habe (es wird ja von ganz unterschiedlichen schwachen Verläufen gesprochen), will ich niemanden auch nur dem minimalsten Risiko aussetzen. Was nicht nur einfach ist, denn es kann sogar bedeuten, Menschen, die wir lieben, Bitten abzuschlagen. Aber vielleicht können wir indirekt helfen, andere schicken, Telefonkontakt halten, etc. Mehr denn je sind Selbsthilfe, Phantasie, Solidarität und Improvisation gefragt. Wenn es etwas Gutes an der Situation gibt, dann ist es das.

Erste Hilfe aus der Apotheke der Natur

Damals während meiner Phytotherapie-Ausbildung habe ich eine Art digitales Herbarium angelegt. Dies ist immer noch in meinem alten Blog zu finden. Heute besonders interessant sind die Pflanzen, die bei einer Erkrankung der Atemwege helfen können. Außerdem gilt es natürlich generell, das Immunsystems zu stärken. Ich mache derzeit aus gegebenen Anlass Selbstversuche und werde weiter berichten. Was ich jetzt schon sagen kann: mein selbst angesetzter Zirbenschnaps (aus noch im letzten Jahr im schönen Martelltal selbst gesammelten Zirbenzapfen) half innerlich super gegen den Druck auf der Brust. Äußerlich angewendet hat eine selbstgerührte Salbe mit Thymian und Eukalyptus gefühlt ebenfalls die Arbeit der Lunge erleichtert. Dazu natürlich reichlich Tee trinken, zum Beispiel Spitzwegerich und Holunderblüten, Kamille, Malvenblätter, Lindenblüten, und wenn es nicht zu sehr kratzt auch Thymian, Salbei, Rosmarin…. Am besten mindestens einmal am Tag mit einem Löffelchen Honig (laut meiner Oma die beste Hilfe zur Genesung überhaupt).

Die wissenschaftlich untersuchten Wirkungen verschiedener Kräuter könnt ihr auf den Seiten der sogenannten Komission E lesen, oder auf englisch auch hier. Und wenn ihr euch nicht sicher seid oder draußen nix findet, fragt einfach eure lokalen Apotherker*innen.

Sehr wohltuend ist auch immer wieder und wohldosiert Bewegung an der frischen Luft. Wer sich dazu inspirieren lassen möchte, findet bei der wundervollen Taiji-Lehrerin Sasa Krauter tolle Anregungen: https://www.sasakrauter.de/wissen/videos/, zuletzt eine Übungsreihe zur Stärkung der Lungen.

Und wenn wir dann schon an der frischen Luft sind, können wir vielleicht auch hier und da ein bisschen frisches Grün knabbern: Scharbockskraut zum Beispiel enthält viel Vitamin C (sollte aber wirklich nur vor der Blüte gegessen werden, später entwickelt es Giftstoffe!), Bärlauch wirkt unter anderem stoffwechselanregend, und vielleicht sehen wir zur Zeit auch am Wegesrand Huflattich stehen, eine früher sehr gebräuchliche Heilpflanze bei Husten und Erkrankungen der Atemwege, die jedoch mit Vorsicht betrachtet wird, seit bestimmte Inhaltsstoffe in den Verdacht kamen, vor allem der Leber zu schaden.

Generell gilt beim Sammeln von Wildpflanzen: Genau sein (denn Verwechslungen können tödlich sein, wie bei Bärlauch und Maiglöckchen) und Rücksicht auf die Natur nehmen! Das heißt auch, immer genug stehen lassen, dass andere noch etwas davon haben und die Samen/Früchte ausreifen können, so dass im nächsten Jahr wieder genug für alle wachsen kann. Klar, oder?

Bleibt gesund!